Fachkompetenz sichert Nachhaltigkeit wirtschaftlicher Entscheidungen

Aus gegebenem Anlass wird im Editorial der Fachzeitschrift Krankenhaushygiene und Infektionsverhütung* auf die Notwendigkeit der Einbindung der Hygienefachkraft in die Beschaffungsentscheidung von Medizinprodukten, die hygienisch relevant sind, hingewiesen.

DoktorhutImmer wieder werden Fälle bekannt, bei denen durch den Umstieg auf billigere Alternativprodukte Probleme auftauchen, die letztendlich Kostensteigerungen statt der angestrebten Einsparungen zur Folge haben. So stieg der Verbrauch an Pflastern nach dem Wechsel auf ein Billigprodukt signifikant an, weil dessen Klebeeigenschaft ungenügend war. Eine wirtschaftlich motivierte Umstellungen auf ein anderes Händedesinfektionsmittel hat zu Unverträglichkeiten geführt, die Umstellung musste dann wieder rückgängig gemacht werden.

Umstellungen gerade von Händedesinfektionsmitteln sollten in Abstimmung mit dem Personal und zudem nur im Sommer erfolgen. In der kalten Jahreszeit sind die Hände schon gereizt, sodass kaum Akzeptanz gegenüber dem neuen Mittel besteht und daraus könnte ein Rückgang der Händedesinfektion erfolgen, was für den Patienten- und Personalschutz fatal wäre.

Ein Einkauf, der sich ausschließlich an den Anschaffungskosten orientiert, übersieht, dass Nachhaltigkeit und vordergründiges Sparen in der Regel nicht zusammen passen. Statt auf den Stückpreis zu achten, sollte die Wirtschaftsabteilung eines Krankenhauses vielmehr die Kosten des gesamten Systems berücksichtigen.

Verwaltungen und Einkaufsabteilungen sollten so zum Beispiel Hygienefachkräfte beziehungsweise Hygieneabteilungen aufgrund ihrer Fachkompetenz in die Beschaffung hygienisch relevanter Produkte mit einbeziehen, denn nur sie sind in der Lage, ein entsprechendes Anforderungsprofil zu erstellen und fachlich korrekte Vergleiche anzustellen.


 

Die Verantwortung der Hygienefachkraft

Hygienefachkräfte tragen zur Umsetzung infektionspräventiver Maßnahmen bei. Wie ist die Verantwortung bei Fehlanschaffungen in Kliniken verteilt, wenn diese die Gesundheit der Patienten gefährden?

PetrischaleVordergründig scheint ein Interessenkonflikt zu bestehen zwischen dem Einkauf und der zuständigen Hygienefachkraft. Während der Einkauf kostenorientiert anschaffen muss, kann nur die Hygienefachkraft beurteilen, welche Materialien tatsächlich für den Klinikeinsatz geeignet sind – und diese sind nicht unbedingt die günstigsten auf dem Markt. So sollte zum Beispiel ein Hygiene-Schutzbezug nicht das Allergen Latex enthalten.

Letztlich haben Hygienefachkräfte auch die Folgen von Fehlanschaffungen zu verantworten. Viele scheinen sich jedoch dieser Verantwortung nicht bewusst zu sein. Nach den Hygieneverordnungen der Bundesländer haben Hygienefachkräfte gegenüber der Geschäftsleitung lediglich eine beratende Funktion. Ansonsten jedoch sind die Hygienefachkräfte voll verantwortlich für das anzuschaffende Material!

Die Hygienefachkräfte wären gut beraten, wenn sie Produktspezifikationen bzw. Produktanforderungen erstellten und somit dem Einkauf helfen und aufzeigen würden, worauf es bei der Anschaffung ankommt. So unterstützen atmungsaktive Hygiene-Schutzbezüge die Vermeidung von Dekubitus und postoperativen Wundinfektionen. Im Idealfall sorgt eine optimale Kommunikation beider Beteiligter für die Vermeidung von Konflikten und Missverständnissen. Kann der Einkauf gar davon überzeugt werden, dass die Anschaffung höherer Qualität letztlich zur Einsparung von Mitteln führt, kann der scheinbare Interessenkonflikt sogar aufgelöst werden.

Lässt sich hingegen keine befriedigende Gesprächsebene finden und wird gegen den Rat der Hygienefachleute ein billigeres Alternativprodukt angeschafft, raten Fachleute dazu, den gesamten Entscheidungsprozess zu dokumentieren, damit im Falle eines Flops belegt werden kann, dass die Fachkraft beziehungsweise Fachabteilung anderer Meinung war und der Einkauf das angeschaffte Material zu verantworten hat. Auf diese Weise wird auf mittlere Sicht deutlich werden, dass die Einbindung der Fachkompetenz beim Einkauf nur von Vorteil sein kann.

Da der ärztliche Direktor die Gesamtverantwortung für die Hygiene trägt, ist die Hygienefachkraft verpflichtet, solche Entscheidungen mit ihm zu besprechen und in der Hygiene-Kommission vorzustellen.


 

Schimmelde Matratzen

schimmelnde Matratze

Zwar wird das Thema schimmelnde Matratzen in Kliniken und Pflegeheimen gerne von den Verantwortlichen tot geschwiegen, aber unter Unternehmensberatern im benachbarten Ausland gilt es längst als offenes Geheimnis, dass man in Deutschland dieses Problem hat.

Was sind die Ursachen?

Matratzen werden nicht wie früher aus Gründen der Hygiene sterilisiert, sondern mit einem Schutzbezug eingehaust. Hierbei handelt es sich oft um einen Rundum-Bezug, auch Encasing genannt. Die Qualität spielt bei der Anschaffung vielfach eine untergeordnete Rolle, oft ist der Preis entscheidend.

Eine auf einem Schutzbezug liegende Person gibt Wärme ab, im Normalfall etwa 36,5 ° C. Wenn diese Wärme nicht durch den Schutzbezug abgeleitet wird, schwitzt der im Bett Liegende. In der Matratze bildet sich aufgrund der Differenz von Raum- zu Körpertemperatur Kondensat. Die entstehende Empfindung ist nicht zwingend „feucht“ oder „nass“, allerdings befindet sich die Matratze in einem feuchten Milieu.

Liegt ein Mensch nur zum Schlafen auf einer Matratze, trocknet die Matratze in der restlichen Zeit wieder ab. Liegt hingegen ein Kranker 24 Stunden darauf, besteht für die Matratze keine Möglichkeit zu trocknen. Dies kann eine der Ursachen für Schimmelbildung in der Matratze sein. Lattenroste, Plastikschalen, Bretter oder Melamin beschichtete Auflagen sind leicht zu reinigen, bergen aber das Problem der Schimmelbildung.

Abhilfe können sogenannte ¾-Bezüge schaffen, die zur Unterseite offen sind oder Bezüge mit einer hohen Wasserdampfdurchlässigkeit.

Viele Anbieter nehmen für ihre Produkte in Anspruch, sie seien atmungsaktiv oder gar hoch atmungsaktiv. „Atmungsaktiv“ ist ein nicht geschützter Begriff. Jeder darf dies von seinem Produkt behaupten.

Zwar werden Schutzbezüge diesbezüglich nach der DIN 53122 geprüft, aber die Angabe der Prüfnorm hat für sich genommen keine Aussagekraft. Es wird lediglich die Prüfmethode benannt, aber nichts über das Ergebnis ausgesagt. Das messbare Ergebnis der Untersuchung ist jedoch gerade das wirklich Interessante der Prüfung. Viele Anbieter scheuen sich aber, gerade diese Messwerte kundzutun. Die Frage stellt sich hier: warum?

Auf dem Markt sind aktuell Schutzbezüge mit einer Wasserdampfdurchlässigkeit von bis zu 2.000 g/m²/24 h erhältlich. Je höher dieser Wert, umso weniger schwitzt man darauf. Umso durchlässiger ist jedoch auch das Material für Viren. Eine wirkliche Aussagekraft hat also nur die Kombination der Werte von Virendichtigkeit und Wasserdampfdurchlässigkeit. Es ist bekannt, das Material mit einer Wasserdampfdurchlässigkeit von 1.260 g/m²/24 h eine Dichtigkeit sogar gegen den extrem kleinen Norovirus bietet. Bei höheren Durchlässigkeitswerten wird es durchaus problematisch.

Bezüglich schimmelnder Matratzen ist auch Vorsicht beim Einsatz luftdichter (meist silkonisierter) Rettungstücher geboten.

Haben Sie Fragen zu diesem Thema, können Sie sich gerne an uns wenden.

 

* Krankenhaushygiene und Infektionsverhütung, Jg. 35, H. 3 (2013), 71 f.