Im Darm, auf der Haut sowie Schleimhaut des Menschen befinden sich zahlreiche unterschiedliche Bakterien. Einige dieser Bakterien fasst man aufgrund Ihres Aussehens unter dem Mikroskop als gramnegative Stäbchen-Bakterien zusammen. Zu diesen gehören Darmbakterien (1) und andere Keime aus der Umwelt (2), die gegen viele Antibiotika widerstandsfähig werden können. In einem solchen Fall werden sie multiresistente gramnegative Stäbchen-Bakterien (MRGN) genannt. Bakterien, die gegen drei Antibiotika-Gruppen widerstandsfähig sind, werden 3MRGN, Bakterien, die gegen 4 Antibiotikagruppen widerstandsfähig geworden sind, werden 4MRGN genannt.

Acinetobacter baumannii - Quelle: Wikipedia

Eine bloße Besiedelung des Darms oder der Haut mit diesen Bakterien ist für gesunde Menschen und Kontaktpersonen nicht gefährlich. Gefährlich wird es, wenn MRGN-Bakterien entweder aus dem Darm oder von der Haut in Wunden, in die Blutbahn oder in andere Körperregionen eindringen, in denen sie normalerweise nicht vorkommen und dort Erkrankungen verursachen. Diese Erkrankung zu behandeln ist erschwert, da bei den 3MRGN nur noch eine gut wirksame Antibiotikagruppe und bei 4MRGN nur noch schwächer wirksame und schlechter verträgliche Antibiotika zur Verfügung stehen.

Nur bei einer Erkrankung mit Krankheitssymptomen wird der Arzt eine spezielle Behandlung mit einem der wenigen noch wirksamen Antibiotika durchführen. Eine Behandlung von MRGN ohne Krankheitssymptome ist nicht erforderlich. Eine „Darmsanierung" ist nicht möglich.

Im Krankenhaus

Die Händedesinfektion ist besonders wichtig, um eine Weiterverbreitung dieser Keime zu vermeiden.
Patienten mit 4MRGN werden i.d.R. in allen Bereichen des Krankenhauses isoliert. Patienten mit 3MRGN werden nur in besonderen Bereichen, in denen es durch die Art der Behandlung besonders leicht zu Infektionen kommen kann, isoliert (z.B. Intensivstationen oder Krebsstationen).

Falls der Arzt eine Isolierung angeordnet hat...

  • sollte das Zimmer nur nach Absprache mit dem Personal verlassen werden
  • müssen sich Besucher vor Betreten des Zimmers beim Personal melden und bestimmte hygienische Maßnahmen befolgen
  • trägt das Personal zur Vermeidung von Übertragungen auf weitere Personen bei der Behandlung des Patienten Schutzkleidung (Kittel, Handschuhe)
  • Bei 4MRGN evtl. auch Mund-Nasen-Schutz

Außerhalb des Krankenhauses, zum Beispiel in Altenpflege-, Wohn- und Behindertenheimen

Eine gute Basishygiene, insbesondere die Händehygiene ist die wesentliche Maßnahme zur Verhütung der Weiterverbreitung der Keime. Altenpflegeheime und andere Heime gelten in der Regel nicht als Risikobereich. Eine Isolierung ist nur in Ausnahmefällen erforderlich.

Zu Hause

Die Hände müssen sorgfältig gewaschen werden. Ferner müssen die die Regeln der persönlichen Hygiene befolgt werden. Dann ist das Übertragungsrisiko gering. Es kann ein normales Leben gelebt werden.
Weiterbehandelnde Ärzte und Pflegende müssen darüber informiert werden, dass beim Patienten MRGN-Bakterien festgestellt wurden.

Die 3MRGN werden inzwischen bei vielen gesunden Menschen in der Allgemeinbevölkerung gefunden, oft auch nach Auslandsaufenthalten mit Kontakt zum Gesundheitswesen oder nach Antibiotikabehandlungen. Auch Lebensmittel wie zum Beispiel rohes Geflügelfleisch kann MRGN enthalten. Die 4MRGN hingegen sind eher Folge einer schweren Erkrankung mit längeren und verschiedenen Antibiotikabehandlungen.

Hohe Konzentrationen an MRGN-Bakterien können im Stuhl und in bestimmten Fällen im Urin, manchmal auch in offenen Wunden vorhanden sein. Acinetobacter baumannii und Pseudomonas aeruginosa können sich darüber hinaus auch auf der Haut und Schleimhaut befinden. Von dort werden sie im Wesentlichen über die Hände auf andere Menschen übertragen. Eine Übertragung ist möglich, wenn besiedelte Wunden nicht abgedeckt sind oder die Regeln der Basishygiene nicht ausreichend beachtet werden.

Oberstes Ziel ist es, die Weiterverbreitung von MRGN-Bakterien auf Mitpatienten zu verhindern.

Die wichtigste und gleichzeitig einfachste Maßnahme ist dabei die korrekte Händehygiene!

Hygienische Händedesinfektion - Die Hände müssen während der gesamten Einwirkzeit (30 Sekunden) feucht gehalten werden!

Hygienische Händedesinfektion
Die Hände müssen während der gesamten Einwirkzeit
(30 Sekunden) feucht gehalten werden!


(1)    Enterobakterien wie E.coli, Klebsiellen, u.a.
(2)    z.B. Acinetobacter baumannii und Pseudomonas aeruginosa