Die Infektionsrate von Patienten mit nosokomialen Infektionen liegt zwischen 3,5 und 9,5 Prozent, auf Intensivstationen gar zwischen 20 und 30 Prozent. Es war also höchste Zeit, die Frage der Krankenhaus-Hygiene genauer zu regeln. Dies ist 2011 mit der Neufassung des §23 des Infektionsschutzgesetzes erfolgt.

Die darauf aufsetzenden Hygieneverordnungen der Bundesländer verlangen in den nächsten Jahren eine massive Personalaufstockung. Dies erweist sich als kostenintensiv, überdies fehlt das benötigte Personal noch.

Im Infektionsschutzgesetz sind zahlreiche Sachverhalte klar dargestellt, darunter die Frage der Verantwortung der Klinikleitung. Klinikleiter müssen dringend handeln, da sie in der Haftung sind, wenn dem Gesetz nicht genüge geleistet wird und ein Patient infolge mangelnder Hygienestandards erkrankt.

Entweder muss ein Facharzt für Hygiene beschäftigt werden oder eine Hygienekommission gebildet werden. 400 Kliniken mit über 400 Betten stehen lediglich 73 Hygieneärzte gegenüber. Angesichts des akuten Mangels kann in einer Art Notfallprogramm der Bundesärztekammer innerhalb von zwei Jahren in 200 Stunden die Qualifikation zum Krankenhaus-Hygieniker erlangt werden. Für fundierte Kenntnisse führt allerdings kein Weg am vierjährigen Studium mit anschließendem Praxisjahr vorbei.

Trotz des großen Bedarfs sind in den letzten Jahren 15 Lehrstühle aufgelöst worden. Aktuell gibt es in Deutschland noch 12 Lehrstühle für Hygiene, Umweltmedizin und öffentliche Gesundheit. Die geschätzten 200 Krankenhaushygieniker in Deutschland arbeiten mehrheitlich in Ämtern oder Fachinstituten in Festanstellung.

In einer guten Position befinden sich die Kliniken, die bereits vorausschauend Hygieniker fest in ihrem Team installiert haben. An der Westfälischen Akademie für Krankenhaushygiene können junge Ärzte berufsbegleitend innerhalb von fünf Jahren zum Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin ausgebildet werden.

Mitte Juni 2013 hat der Bundestag ein Hygiene-Förderprogramm verabschiedet, in dessen Rahmen die Hygienefacharzt-Ausbildung maximal fünf Jahre mit jährlich 30.000 Euro gefördert wird. Die Ausbildung zum Krankenhaus-Hygieniker wird maximal zwei Jahre mit 5.000 Euro bezuschusst.

Im Regelfall obliegt im Schadensfall die Erfüllung der Darlegungs- und Beweislast beim Geschädigten, also dem Patienten. Ist ein Geschädigter dazu nicht in der Lage, etwa weil der (vermeintliche) Schädiger keine Auskünfte erteilt, kann dies zur Beweiserleichterung führen bis hin zu einer Beweislastverteilung zu Ungunsten des (vermeintlichen) Schädigers. Allerdings wird im neu geregelten § 23 des IFSG ausdrücklich geregelt, dass die Einhaltung der entsprechenden RKI Richtlinien und vergleichbarer Fachverbände dahingehend bewertet werden, dass die Klinik den relevanten Sorgfalts- und Haftungsmaßstab erfüllt.

Quellen:
kma Das Gesundheitswirtschaftsmagazin, 18. Jg., August 2013, 40 ff.
ÖKZ Extra: Hygiene, 54. Jg. (2013) 8 ff.